Klarnehmungsübungen

Mit einfachen Wahrnehmungsübungen können Sie sich mehr Klarheit im Alltag ganz spielerisch annähern.

Im Alltag hinterfragen wir einen großen Teil unseren Handelns nicht bewusst, das meiste läuft im Autopilot-Modus. Die während unseres Lebens hinweg entwickelten Glaubenssätze und Gewohnheitsenergien geben uns Halt, um in vertrauten Situationen ohne Reflexion von Details angemessen agieren zu können. Entwickeln wir Zweifel an der Angemessenheit wesentlicher Teile unseres Autopiloten, können wir durch bewusstes Reflektieren Klarheit gewinnen.

 

Was auch immer die folgenden Übungen bei Ihnen zu Tage fördern, heißen Sie es unbeschwert und gegebenenfalls auch mit den nötigen Humor willkommen.

Dem inneren Parallelvortrag auf der Spur

Wir sind in so vielen Meetings, Diskussionen, Konferenzen und Seminaren, oft hören wir uns selbst schon gar nicht mehr zu. Sollten wir aber, und zwar nicht nur beim Reden, sondern beim Zuhören. Beim Zuhören? Ja genau! Hören Sie wirklich zu? Sind Sie ganz und gar beim Beitrag des Sprechenden oder hat sich Ihr Parallelvortrag eingeklinkt?

Situation 1:

Während eine Person spricht, springt heimlich still und leise unsere Wertungsmaschinerie an. "Das hätte ich ganz anders gemacht", "kein Wunder, das hat sie nun davon, so musste es ja kommen" oder "so ein Unfug, das nehme ich ihm nicht ab". Diese oder vergleichbare stille Kommentare produzieren wir gerne während des Zuhörens, stimmts?

Situation 2:

Immer häufiger werden Treffen mit einer initialen Runde, einem "Check-in" oder "Blitzlicht" begonnen. Während die erste Person vom Moderator überrascht nach Worten ringt, basteln wir uns einen möglichst geistreichen Redebeitrag, um später im Meeting gut dazustehen. Je mehr Personen vor uns dran sind, umso besser. Dann feilen wir mit Hingabe weiter an unseren Sätzen.

 

Die Übung
Ich garantiere Ihnen, Sie müssen in den nächsten vergleichbaren Situationen nicht lange auf Ihren Parallelvortrag warten. Wenn es soweit ist, fühlen Sie sich nicht ertappt. Lächeln Sie sich zu und kehren Sie zu einem aufmerksamen, tiefen Zuhören zurück. Ihnen entgeht dann nichts. Mitunter fallen Sie als guter Zuhörer sogar eher positiv auf, als durch einen vermeintlich geistreichen Kommentar.

Der Weg ist der Weg

Kaum hier, schon dort - wir reizen sie nur zu gerne aus, die Möglichkeiten der Mobilität, mit dem Auto, dem Flugzeug und auch zu Fuß. Doch was geschah zwischen hier und dort? Spielt doch keine Rolle, hauptsache schnell am Ziel? Die Zeit zwischen A und B erscheint wie vertane Zeit, die es zu eliminieren gilt.

 

Unsere Checkliste

Was lässt es so lohnend erscheinen, möglichst rasch ans Ziel zu gelangen? Es sind unsere Pläne. Eine unsichtbare Checkliste diktiert uns ständig, was zu tun ist. Jeder virtuelle Haken hinter einer Aufgabe gibt uns Mut, sofort die nächste zu starten. Doch die Aufgaben enden praktisch nie und wir hasten von einem Ziel zum nächsten, das übernächste bereits im Blick.

Meine Challenge

Regelmäßig mache ich zu Fuß Besorgungen in einer nahen Einkaufsstraße. Die Geschäfte liegen jenseits einer großen Kreuzung. Schon von Weitem kann ich den Farbwechsel der Fußgängerampel erkennen. Ich schätze die Entfernung ab. Es ist ein wahrer Kampf, dem Impuls zu widerstehen, den Schritt zu beschleunigen, um noch mit der nächste Grünphase die andere Seite zu erreichen. Bloß nicht warten müssen!

Die Übung

Nehmen Sie an Orten, an denen Sie warten müssen, mit allen Sinnen wahr, was um sie herum vorgeht. Nehmen Sie mit Interesse wahr, ohne zu bewerten. Sie können Menschen und Tieren um Sie herum eine wohlwollende Haltung gegenüber einnehmen. Spüren Sie das Wetter und akzeptieren Sie gegebenenfalls auch Kälte, Wind und Regen. Und wenn es dann weiter geht, nehmen Sie diese Haltung ruhig ein paar Schritte mit auf Ihren Weg.

Gewohnheitsenergien entdecken

Viele Abläufe haben sich über lange Jahre hinweg bewährt. So sehr, dass wir sie nicht mehr wahrnehmen. Wir gleichen einige Parameter ab und schon läuft die Routine. Man muss ja  nicht alles in Frage stellen. Aber weshalb stehe ich schon wieder vor dem  Kühlschrank?

Der Klassiker

Diese Frage hat schon Klassiker-Format, für mich ist sie aber auch Teil einer meiner ausgeprägtesten Gewohnheitsenergien. Beim Nachhausekommen führt mich stets der erste Weg an den Kühlschrank. Mit Hunger hat das nichts zu tun, dennoch finde ich meist etwas, auf das ich Lust habe, falls mir meine Gewohnheitsenergie nicht vorher bewusst wird.

Der Pedant in mir

Eine andere Gewohnheitsenergie ist mein Wachen über eine korrekt eingeräumte Spülmaschine. Was heißt korrekt? Es gibt vielfältige Erfahrungswerte, welches Geschirrteil an welcher Stelle sinnvoll anzuordnen ist. Vorsicht Selbstironie: "Hauptsache sauber" wird der Aufgabe nicht annähernd gerecht. Selbstredend ist hierzu außer mir selbst niemand in der Lage. Haha! Wenn auch nur eine Espressotasse zusätzlich in einen Spülvorgang passt, war die Mission erfolgreich. Selbst wenn ich dafür das gesamte Geschirr wieder aus- und neu einräumen musste.

Übung

Welche sind Ihre Gewohnheitsenergien? Wenn sie eine erkannt haben, gelingt es Ihnen immer öfter den Moment bewusst zu erleben, in dem es wieder passiert. Sie können sich dann freundlich ansprechen und im Dialog mit sich selbst schauen, ob es eine Alternative zur gewohnten Routine gibt. Seien Sie nachsichtig mit sich. Es sind mitunter tiefe Muster aus unserem Speicherbewusstsein, auf denen die Gewohnheitsenergien beruhen.